„MeinSport – probieren, trainieren, ein Leben lang!“

Sportliche Höchstleistungen sind das Ergebnis eines langfristigen, pädagogisch geführten Leistungsaufbaus (LLA), der in den meisten Sportarten bereits im Kindesalter beginnt und die Grundlagen für zukünftige, international konkurrenzfähige Spitzenleistungen schafft. Aus sportpolitischer Sicht soll der Nachwuchsleistungssport eine Spitzenposition Deutschlands im internationalen Vergleich sichern und den Stellenwert des Leistungssports in der Gesellschaft erhöhen (Deutscher Olympischer Sportbund, 2013). Um dies zu erreichen, gilt es, sportlich talentierte Kinder und Jugendliche zu finden und sie unter Berücksichtigung ihrer individuellen Entwicklung für ein dauerhaftes wettkampf- und leistungsbezogenes Engagement im Sportverein zu begeistern.

Die langfriste Partizipation von Kindern und Jugendlichen am Sport gelingt vor allem durch Ausprobieren verschiedener Sportarten, das vielfältige Sammeln von Bewegungserfahrungen und das eigenständige Entwickeln von Bewegungsideen. Vor dem Hintergrund aktueller Theoriepositionen und der Wirksamkeit bestehender Talentsichtungsprogramme wird ein Forschungsdesiderat dahingehend abgeleitet, dass vor allem bezüglich der ersten Phase der Talententwicklung, d. h. des Zugangs zum Sport und der Entdeckung des Sports, ein Erkenntnisdefizit besteht. Dieses ergibt sich aus einer bislang vernachlässigten Einbeziehung der Kindperspektive und einem Mangel an interdisziplinären, dynamisch-interaktionistischen Forschungsansätzen mit einer Breite an methodischen Zugängen (Methodenpluralismus) (Baker et al., 2019).

In Kooperation mit dem Landessportbund Rheinland-Pfalz und dem Ministerium für Bildung RLP führt die Abteilung Theorie und Praxis der Sportarten in diesem Halbjahr ein Projekt zur Bewegungsförderung im Ganztag durch. Unter dem Motto „MeinSport – probieren, trainieren, ein Leben lang!“ soll Kindern an unseren sechs Partnergrundschulen mit Ganztagskonzept im Großraum Mainz zwischen August und Dezember 2020 an zwei Nachmittagen in der Woche ein qualitativ hochwertiges Bewegungsangebot zur Verfügung gestellt werden. Dieses soll Zugang zu vielfältigem Sporttreiben bieten und individuelle Interessen stärken. Vor allem die sportpädagogische Forschung legt nahe, dass interessenorientierte Sportangebote wesentlich dazu beitragen können, mehr Kinder für ein dauerhaftes, auch leistungs-sportliches Engagement im Sportverein zu begeistern. Aus diesem Grund wurden in Kooperation mit der Abteilung Sportpädagogik/ -didaktik des Instituts für Sportwissenschaft pädagogisch hochwertvolle Interventionen entwickelt, die im Rahmen des MeinSport-Projektes von insgesamt 12 Studierenden (MeinSport-Coaches) über einen Zeitraum von 12-15 Wochen durchgeführt werden.

Methodisch soll eingangs neben dem Interesse (Interviews) und den individuellen Bewegungspräferenzen (digital gestützte Befragung) auch die sportliche Vergangenheit der Kinder und Ihrer Eltern (Fragebögen) sowie die sportmotorische Leistung erfasst werden. Mit Hilfe des theoriegeleiteten Forschungsrahmens soll der Einfluss eines interessenorientierten Sportangebots auf die sportmotorischen Leistungsvoraussetzungen, das Interesse, die Bewegungs-/Sportartpräferenz und die Motivation sowie deren Wechselbeziehung untersucht werden.